Er liebt die Tierpflege, fährt gerne Traktor und hat Spaß an der Feldarbeit: Auf einem Bio-Bauernhof im hessischen Vogelsbergkreis absolviert Jonas eine Ausbildung zum Helfer in der Landwirtschaft.
Eingebettet zwischen den drei hessischen Mittelgebirgen Vogelsberg, Rhön und Knüll liegt die Burgenstadt Schlitz. Zu ihr zählt auch das malerische Dorf Pfordt, und dort am südlichen Ortsrand, umgeben von Feldern und nur einen Katzensprung entfernt von der Fulda, liegt der Biobauernhof Hof-Haennesse. Der Hof ist ein Milchviehbetrieb mit etwa 100 Kühen, auf den umliegenden Äckern werden Getreide und Mais angebaut und seit einigen Jahren hat der Hof auch für Übernachtungsgäste geöffnet. Familie Siebert bewirtschaftet den Hof zusammen mit derzeit einem Angestellten und zwei Auszubildenden – einer von ihnen ist Jonas, der mit einem Budget für Ausbildung gerade zum Helfer für Landwirtschaft ausgebildet wird.
Kennen lernt Jonas den Hof schon in seiner Schulzeit: Als Schüler der Arbeitsschule Startbahn in Fulda kann er zunächst im Rahmen eines Praktikums in den Betrieb hineinschnuppern, er macht sich vertraut mit örtlichen Gegebenheiten und übt sich in ersten landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Begleitet wird er schon damals durch den ebenfalls in Fulda ansässigen Unternehmernetzwerk Perspektiva, das seit 1999 Menschen mit Behinderungen dabei unterstützt, Arbeit und eine langfristige berufliche Perspektive zu finden. „Im Verlauf des Praktikums“, erinnert sich Hans Siebert, Senior-Chef des Hof-Haennesse, „kam die Frage auf, ob wir uns auch vorstellen könnten, mit Jonas die Ausbildung zu absolvieren. Die Zusammenarbeit während des Praktikums hat uns gezeigt, dass es gut passt.“
Viel lernen in Schule und Betrieb
Auch für Jonas passt es sehr gut. Er schätzt die praktische Orientierung seiner Ausbildung, die Arbeit mit den Tieren und auf dem Feld. Seit er erfolgreich den T-Führerschein erworben hat, darf er große Traktoren mit bis zu 60 km/h fahren, zwei Anhänger mit maximal 40 t Nutzlast mitführen und außerdem ein Mopedauto steuern. Das macht ihm viel Freude. Im Stall und auf der Weide lernt er, wie man richtig mit Kühen arbeitet: „Manchmal miste ich, ich füttere die Kühe und Kälber, streue ein und helfe auch bei der Klauenpflege“, erklärt er. Er hilft außerdem bei der Mahd und bearbeitet den Boden mit Geräten wie der Kreiselegge. Sein Fazit: „Man lernt einiges und es ist interessant hier.“


Soweit es die Arbeitszeiten betrifft, unterscheidet sich sein Arbeitstag schon jetzt nicht von denen eines regulären Angestellten. Jonas beginnt früh morgens um 8 Uhr und hat, mit den entsprechenden Pausen, gegen 16 oder 17 Uhr Feierabend. Parallel zur Arbeit im Betrieb erfolgt die theoretische Ausbildung in der Berufsschule, wo Jonas viel lernt und nach Bedarf von einem Perspektiva-Mitarbeiter unterstützt wird. Letzterer kann dank der umfangreichen Förderungen im Budget für Ausbildung Jonas eng begleiten und unterstützen. Er organisiert Nachhilfeangebote und hilft beim Lernen, gleichzeitig steht er im steten Austausch mit Berufsschule und Betrieb, um einen möglichst reibungslosen Ablauf von Jonas‘ Ausbildung zu gewährleisten.
Mit dem Verlauf der Ausbildung sind alle Beteiligten sehr zufrieden. „Wir haben Glück, dass Jonas sehr maschinenaffin ist“, sagt etwa Hans Siebert, der Senior-Chef des Hofes. Jonas lerne zwar etwas langsamer, sei aber erkennbar motiviert und wolle mitarbeiten – und eben „das ist für uns das Wichtigste“. Jonas werde, sagt Siebert, nach und nach an Maschinenarbeiten herangeführt und entwickele sich Schritt für Schritt. Dass er im Unterschied zu einer klassischen landwirtschaftlichen Ausbildung den Betrieb nicht nach einem Jahr wechselt, sondern über die komplette Ausbildungszeit am Hof bleibt, biete einen Vorteil. Den nämlich, sich langfristig an einem Ort entwickeln und so gemeinsam mehr aufbauen zu können.
Auch Jonas ist glücklich. Viele Vorteile sieht er darin, von Perspektiva jederzeit einen kompetenten Ansprechpartner an seiner Seite zu haben. Die Schulbesuche seien zwar anstrengend, und doch erkennt Jonas, wie viel er bei ihnen lernt. Kurz: Der junge Mann hat das Gefühl, dank des Budgets für Ausbildung einen sinnstiftenden Beruf erlernen zu können, einen, der genau seinen Stärken und Interessen entspricht und in dem er genau deshalb sehr viel zu geben hat. Sollte sich die Möglichkeit für eine Übernahme ergeben, würde er nach Abschluss seiner Ausbildung darum auch liebend gern weiter auf dem Hof arbeiten.
Fazit: Das Budget für Ausbildung eröffnet neue Perspektiven! Jonas zeigt, wie eine Helfer-Ausbildung im Betrieb der erste Schritt sein kann, um beruflich Fuß zu fassen. Der Grundstein ist gelegt, und von einer Übernahme im Betrieb bis hin zur Weiterqualifizierung, etwa durch eine Vollausbildung, stehen verschiedene Wege offen. Ohne das Budget für Ausbildung wäre Jonas – wie viele andere – vermutlich den Weg in eine Werkstatt gegangen. Doch durch diese Chance hat sich eine neue Richtung eröffnet: raus aus der WfbM, rein in das Berufsleben.



