Als autistischer Mensch beeindruckt Melvin mit seinem beruflichen Weg: Er hat sich für die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb entschieden und damit einen Kindheitstraum verwirklicht. Zwar hat er bereits eine erste Ausbildung zum Fachlageristen absolviert und war eine Zeit lang mit einem Budget für Arbeit in einem Lager beschäftigt. Sein Ziel, bei einem Verkehrsbetrieb zu arbeiten, hat er aber nie aus den Augen verloren. Und so durchläuft er nun eine geförderte zweite Ausbildung bei der Hamburger Hochbahn.
Das Bewerbungsverfahren beim Verkehrsunternehmen Hamburger Hochbahn AG durchlief Melvin eigeninitiativ. Auch seinen Antrag für das Budget für Ausbildung stellte er selbst beim Kostenträger für Eingliederungshilfe in Winsen (Luhe), Landkreis Harburg. Er suchte schließlich den Kontakt zu den Elbe Werkstätten, die seitdem das Budget für Ausbildung von Melvin begleiten. Dort lernte er auch die Inklusionsbegleiterin Karina Isenbeck kennen.
Netzwerkaufbau in der Begleitung des Budgets für Ausbildung
Karina Isenbeck sammelte während der Begleitung des Budgets für Ausbildung viel Erfahrung: Sie lernte den Ausbildungsberuf Fachkraft im Fahrbetrieb kennen, den Hamburger Verkehrsbetrieb Hochbahn und den Auszubildenden umfassend kennen. Da die dreijährige Ausbildung für sie Neuland war, baute sie aktiv ein Netzwerk auf, um ihre Kenntnisse über den Beruf und die Möglichkeiten in der Ausbildung von Menschen mit Behinderung zu erweitern.
Besonders hilfreich war der Austausch mit dem Berufsbildungswerk Hamburg, das den Ausbildungsgang bereits berufsbegleitend fördert und Praxiswissen zur Beantragung von Nachteilsausgleichen beisteuern konnte, sowie die Kooperation mit dem Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB), das eng mit Berufsschulen zusammenarbeitet und auf die Förderung spezieller Bedarfe spezialisiert ist.

Unterstützungsmaßnahmen und Ergebnisse
Mit den gewonnenen Erkenntnissen konnte die Inklusionsbegleiterin den Auszubildenden gezielt unterstützen und gemeinsam mit der Bildungsgangleitung sowie dem sozialpädagogischen Dienst der Berufsschule praxisnahe Lösungen für seine Alltagsherausforderungen entwickeln.
Es gibt Nachteilsausgleiche zum Lernen bei lauten oder unruhigen Unterrichtssituationen. Klassenarbeiten und Prüfungen darf Melvin in einem separaten, ruhigen Raum schreiben, wo er konzentrierter arbeiten kann. Zusätzlich steht bei Bedarf eine Strukturierungshilfe für Zeitmanagement und die Organisation von Pausen zur Verfügung. Die Praxis zeigte außerdem, dass digitales Lernen für Melvin mehr Wirkung zeigt als Arbeiten auf Papier.
Selbstständiger Einsatz im Fahrbetrieb
Auch im Arbeitsalltag hat sich Melvin mit seinen Stärken bewährt: Die ersten anderthalb Jahre begleitete er Lehrfahrer*innen auf den Routen, er absolvierte Praktika in der Leitstelle und lernte den Betriebsalltag kennen. Nach Erwerb des Busführerscheins fuhr er zunächst weiterhin gemeinsam mit Kolleg*innen und meisterte die hohen Anforderungen der täglichen Reizdichte souverän. Mittlerweile fährt er allein und wird regelmäßig auf den Routen eingesetzt.
Nachhaltige Unterstützung für eine gelungene Ausbildung – Abschluss in Sicht
Karina Isenbeck berichtet begeistert von dem Fortschritt des Auszubildenden mit Autismus zur Fachkraft im Fahrbetrieb und hebt seinen großen persönlichen Erfolg hervor. Sie unterstützt ihn weiterhin bei Fragen und fördert gezielt seine Problemlösungskompetenz. Der Betrieb bezieht alle zuständigen Stellen ein, sorgt für transparente Abläufe im Ausbildungsprozess und zeigt, wie gelebte Inklusion im öffentlichen Nahverkehr und qualifizierte Berufsausbildung für Menschen mit Behinderung aussehen kann. Der Abschuss der dreijährigen Ausbildung steht im kommenden Jahr bevor – ein großer Erfolg für Melvin, die Hochbahn und die Inklusionsbegleitung.



